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"Man muss dicke Bretter bohren"

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Im Gespräch: Marc S. Ellenbogen über seine Stiftung und seine Pläne

Donnerstag, den 18. November 1999. Manchmal hat Marc S. Ellenbogen es satt: "Engagement ist in Deutschland schwer erkauft. Man muss viele dicke Bretter bohren." Der 37-jährige Amerikaner war in den vergangenen vier Jahren, die er seine Beraterfirma MSE vom Media Carré aus steuert, mehr als einmal Anfeindungen ausgesetzt. Vom Ludwigshafener Oberbürgermeister Schulte 1994 als Pressesprecher des Klinikums und Marketingstratege nach Ludwigshafen geholt, avancierte Ellenbogen sehr schnell zum Politik-Berater der SPD-Bundestagsabgeordneten Doris Barnett, die 1998 Helmut Kohl den Ludwigshafener Wahlkreis abnahm.
 
"Mir ist es egal, von welcher Partei Doris Barnett ist. Ich habe sie als Person unterstützt und weil ich ihre Ethik und Bodenständigkeit mag", wehrt sich Ellenbogen. "In anderen Städten habe ich für Personen aus anderen Parteien gearbeitet." Ellenbogen pocht auf sein professionelles Verständnis von Politikberatung, wie es in den USA weithin akzeptiert ist: "Ich bin gewohnt, dass bei wichtigen Themen ergebnisorientiert entschieden wird und Parteienzugehörigkeit keine Rolle spielt." Das gelte für sein gesamtes Engagement in der Stadt: "Eine Stadt kann sich nur ändern, wenn sie Visionen hat. Und das geht nur, wenn alle an einem Strang ziehen."
 
Projekte, die der Stadt überregionale Reputation verschaffen, darauf ist Ellenbogen aus. Das Engagement für die Chemiestadt hat mit seiner Mutter zu tun: Die gebürtige Ludwigshafenerin heiratete nach dem Krieg einen aus Österreich stammenden US-Marineoffizier. Schwer an Krebs erkrankt, kam sie zurück an den Rhein. Ellenbogen begleitete sie.
 
Ludwigshafen ist Sitz der von Ellenbogen gegründeten und geleiteten "Society for International Academic Cooperation", ein über Spenden und Veranstaltungen finanzierter Förderverein zur Unterstützung von Universitäten und Forschungseinrichtungen. Stipendien an Studenten aus acht Nationen, Projektförderungen für Universitäten im In- und Ausland, für Institutionen wie das Tschechische Helsinki Komitee und für wissenschaftliche Publikationen wurden in den zehn Jahren des Bestehens der Gesellschaft vergeben.
 
Alljährlich veranstaltet die Society im Mannheimer Schloss das "Symposium im Quadrat", bei dem prominente Unternehmer, Politiker und Wissenschaftler aktuelle Themen diskutieren. Am 26. November geht es beim Symposium um "Sicherheit im 21. Jahrhundert". Mit dabei: der russische Botschafter in Deutschland, Sergej Krylow, der ehemalige Wirtschaftsminister Günther Rexrodt und Otto Wolff von Amerongen, Ehrenpräsident des Deutschen Industrie- und Handelstages.
 
Ellenbogens nächstes Projekt: Das "Global Panel" nach Ludwigshafen holen. Das Global Panel ist eine renommierte internationale Plattform unter anderem für hochkarätige Politiker. Auf mehreren Konferenzen, die das ganze Jahr über in Holland stattfinden, werden Zukunftsfragen der Menschheit erörtert. Anfang November ist Ellenbogen mit einer Delegation des Arbeitskreises Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung nach Den Haag aufgebrochen, um das Terrain zu sondieren. Der Delegation gehören der Fernost-Unternehmer Ralf Marohn, Wirtschaftshochschul-Präsident Wolfgang Anders und Lubege-Chef Ulrich Gaißmayer an. Mit dem ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker hat Ellenbogen wegen des Global Panels bereits Kontakt aufgenommen.
 
Auch in Sachen Global Panel muss Ellenbogen noch Überzeugungsarbeit leisten: "Wenn die BASF Leute nach Ludwigshafen bringt, dann springt die Stadt hoch. Wenn jemand anders das tut, dann ist das anrüchig. Dabei kann eine Stadt nur gedeihen, wenn Mittelstand und Wissenschaft gefördert werden." Und bei diesen Worten krempelt er zerstreut die Ärmel hoch.

GRUBERC
 
Christian Gruber
 
Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Ludwigshafener Rundschau
Ausgabe: Nr.268
Datum: Donnerstag, den 18. November 1999
Seite: Nr.03_LLUD

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